von Burkhard Schmiester
Die Verführbarkeit des Menschen, sein Wille zur Macht, jenseits von Gewissen und Skrupel: das ist Shakespeares Thema in seinem Drama „Macbeth“, die Hybris eines Großen, der noch größer werden wollte, der aber stürzte, von bösen Mächten, von Hexen verführt. Dass er König werden könne, flüstern die ihm zu, dass er den herrschenden König darum aber morden müsse, nötigt ihn Lady Macbeth.
Und Macbeth mordet: erst den König, dann die Zeugen seiner Tat, all seine Widersacher – seine Freunde fliehen vor ihm. Macbeth wird zum Tyrannen, zum Monster, gegen jede Moral und Ethik versündigt er sich, badet immer tiefer im Blut – bis er, der der Menschenwürde hoffärtig trotzt, tief fällt, es fällt sein Kopf …
Die gnadenlose Hybris des Menschen, seine Gier zur Größe, seine Machtwille aber bleibt in anderen Köpfen, sind Stoff für weitere Tragödien Shakespeares, und wenn Macbeth den Einflüsterungen böser Mächte unterliegt, so z.B. braucht Richard III keine Außerirdischen, er beschließt selber, ein Bösewicht zu werden. Und über Schillers Wallenstein, („Wär’s möglich? Könnt’ ich nicht mehr, wie ich wollte? Nicht mehr zurück, wie mir’s beliebt? Ich müsste die Tat vollbringen, weil ich sie gedacht?“) führt der dramatische Weg der Machtgier in die Moderne: unerschöpflich ist den Autoren diese menschliche Schattenseite.
Wenn das Severins-Burg-Theater in der Regie von Burkhard Schmiester Shakespeares „Macbeth“ bearbeitet nun vorzeigt, gilt die Intention der Arbeit sicherlich der Schwäche des Macbeth und seiner Hybris, nicht aber im Kontext der Schlachtfelder, der Krieger und Heerführer einer royalen Hierarchie, es braucht auch keine schottischen Hochmoore und Hexen: die Gier und Gewalt fördernde Atmosphäre sucht diese Inszenierung im Privaten, in den gewissermaßen unter dem Teppich und der Bettdecke lauernden Ängsten, in den Verletzungen aus Gewohnheit und Eitelkeit – in der Psychopathologie des Alltagslebens also. Sichtbar bleiben da nur noch Macbeth, ein Workaholic, die Lady mit ihrem Hausfrauenfrust, Banco, der Freund und Nebenbuhler, ein Gemenge für die daraus entstehenden Affekte bis zu einem die drei verbindenden wie trennenden Trauma zum Tod.
Ohne Hexen ist der Alteritätskonflikt, das Problem des Außenseiters, die Tragik der Menschen ein gesellschaftliches a priori.
